WestLB verkraftet erhebliche Belastungen aus der Finanzkrise
- 1. bis 3. Quartal: Konzernergebnis bei 604 Mio Euro
- Kundengeschäft weiter gestärkt – Steigerung des Zinsüberschusses um 51 Mio Euro
- Kosten um 127 Mio € nachhaltig gesenkt
- Vorstandsvorsitzender Heinz Hilgert: „Maßnahmen zur Fokussierung der Bank greifen.“
Bereits am 13. November 2008 hatte die WestLB wesentliche Eckdaten ihres Neun-Monats-Ergebnisses mitgeteilt. Heute legte die Bank wie angekündigt den detaillierten Zwischenbericht vor.
Die WestLB erzielte in den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres ein Konzernergebnis vor Steuern von 604 Mio € (im Vorjahr -113 Mio €), das Nachsteuerergebnis belief sich auf 532 Mio €
(i. V. -145 Mio €). Trotz der erheblichen Marktverwerfungen infolge der Finanzkrise und der sich spürbar abschwächenden Konjunktur konnte die WestLB ihr Kundengeschäft ausbauen und deutliche Kosteneinsparungen erzielen. In dem Ergebnis wurden Aufwendungen für Restrukturierungsmaßnahmen, erhöhte Risikovorsorge sowie Bewertungsergebnisse aus Wertpapieren durch akute Marktverwerfungen ebenso berücksichtigt wie die Effekte aus der Risikoabschirmung zum Ende des ersten Quartals.
Heinz Hilgert, Vorstandschef der WestLB AG, sagte: „Die umfassenden Maßnahmen zur Redimensionierung und Fokussierung der Bank auf ihre Kernkompetenzen greifen. Durch den frühzeitig von unseren Eigentümern aufgespannten Risikoschirm stehen wir außerdem heute deutlich besser da als viele unserer Mitbewerber. Von wesentlichen Risiken aus der Finanzmarktkrise sind wir abgeschirmt.“ Hilgert betonte zudem, dass sich die WestLB an der anstehenden Konsolidierung aktiv beteilige.
Zinsüberschuss auf 897 Mio € gestiegen – Kosten um 127 Mio € gesenkt
Der Zinsüberschuss stieg in den ersten neun Monaten dieses Jahres um 51 Mio € auf 897 Mio € (i. V. 846 Mio €) und lag damit um 6 % über dem entsprechenden Vorjahreszeitraum. Selbst im schwierigen dritten Quartal nahm der Zinsüberschuss sowohl gegenüber dem Vorquartal als auch gegenüber dem Vorjahresquartal zu. Der Anstieg konnte trotz der Belastungen aus dem insgesamt schwachen Marktumfeld und den verschlechterten Refinanzierungsbedingungen insbesondere aus dem Kunden- und Treasurygeschäft erreicht werden.
So wurde das Kundengeschäft gezielt ausgebaut. Im Mittelstand gewann die WestLB über 230 neue Kunden, 60 mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Verbesserungen im Kundengeschäft erzielte die WestLB zudem vor allem bei Projektfinanzierungen, gewerblichen Immobilien sowie im Zahlungsverkehr. So konnte die Bank in den ersten neun Monaten dieses Jahres beispielsweise ihre führende Position in der Projektfinanzierung weiter stärken und sich weltweit von Rang 18 auf Rang 7 verbessern (Quelle: Thomson Reuters). In einer weltweiten Umfrage des renommierten Project Finance Magazins wurde die WestLB zudem bei Kunden, Projektsponsoren und -entwicklern zur Bank mit dem besten und umfassendsten Service in der Projektfinanzierung gewählt.
Wegen der sich eintrübenden konjunkturellen Aussichten wurde die Kreditrisikovorsorge im dritten Quartal auf 345 Mio € erhöht. Ursächlich hierfür waren Bonitätsverschlechterungen einzelner Kreditnehmer sowie Zuführungen zur Portfoliowertberichtigung. Für das Engagement mit isländischen Banken in Höhe von 196 Mio € wurde in voller Höhe Vorsorge getroffen. Die Belastungen entfallen entsprechend der Kategorisierung der Positionen auf die Kreditrisikovorsorge, das Handelsergebnis sowie das Finanzanlageergebnis. Die Bruttozuführung liegt im Rahmen der bisherigen Jahresprognose, wobei allen erkennbaren Risiken in vollem Umfang Rechnung getragen wurde.
Trotz der konjunkturbedingten Zurückhaltung der Kunden sank der Provisionsüberschuss in den ersten neun Monaten nur moderat von 322 Mio € auf 289 Mio €. Die Stabilität des Provisionsgeschäftes ist insbesondere im Quartalsvergleich erkennbar; so lag das Provisionsergebnis im dritten Quartal 2008 um 7 Mio € über dem des entsprechenden Vorjahreszeitraums. Erfreulichen Zuwächsen im Kredit- und Konsortialgeschäft sowie im Zahlungsverkehr standen Rückgänge im Wertpapier- und Depotgeschäft gegenüber.
Das Handelsergebnis belief sich auf 631 Mio € (i. V. -494 Mio €) und war maßgeblich durch den Übertragungsgewinn aus der Risikoabschirmung zum Ende des ersten Quartals 2008 geprägt. Dem standen vor allem belastende Effekte aus der Bewertung von staatsgarantierten Verbriefungen, Staatsanleihen sowie Handelspositionen mit isländischen Kreditinstituten gegenüber. Durch die Anwendung geänderter Rechnungslegungsvorschriften (IAS 39) wurden aufgrund der Umkategorisierung von Finanzinstrumenten der Kategorie Held for Trading in die Kategorie Loans and Receivables Bewertungsverluste in der Gewinn- und Verlustrechnung von 150 Mio € vermieden.
Der Rückgang im Finanzanlageergebnis von 375 Mio € auf 52 Mio € ist im Wesentlichen auf Veräußerungserlöse aus dem Private Equity- und Beteiligungsgeschäft im Vorjahr zurückzuführen. Zudem belasteten die Bewertung und der Verkauf von Beständen der Kategorie Available for Sale.
Insgesamt beliefen sich die Bewertungsverluste aus Verbriefungspapieren und Public Finance-Portfolios in den ersten neun Monaten auf 232 Mio €. Infolge der Marktverzerrungen trugen allein die Verbriefungen staatsgarantierter Studentenkredite mit 73 Mio € zu den Kurswertverlusten bei, die Public Finance-Portfolios, die überwiegend aus Staatsanleihen mit sehr guter Bonität bestehen, mit 129 Mio €.
Die eingeleiteten Maßnahmen zur Senkung der Personal- und Sachkosten zeigten Wirkung. Insgesamt sanken die Verwaltungsaufwendungen in den ersten neun Monaten dieses Jahres gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum deutlich um 11 % von 1.167 Mio € auf 1.040 Mio €. Die Kostensenkungen wurden im Personalaufwand vor allem durch den Rückgang der Mitarbeiterzahlen um 269 auf 5.878 (Vollzeitkräfte) sowie Kürzungen bei der leistungsorientierten Vergütung erreicht. Die anderen Verwaltungsaufwendungen lagen ebenfalls unter Vorjahr. Die Einsparungen wurden allerdings durch einmalige Umstrukturierungs- und Projektaufwendungen zum Teil kompensiert.
Der Saldo aus sonstigen betrieblichen Aufwendungen und Erträgen erreichte 237 Mio € und lag damit um 226 Mio € über Vorjahr. Zu diesem Ergebnis führten insbesondere Effekte aus der Entkonsolidierung diverser Zweckgesellschaften im Zusammenhang mit der Risikoabschirmung. Die damit verbundene Realisierung des Übertragungsgewinns kompensiert einen großen Teil der Belastungen im Zins- und Handelsergebnis, die vor der Übertragung der Zweckgesellschaften im ersten Quartal 2008 entstanden waren.
Die Aufwendungen im Zusammenhang mit den Restrukturierungsmaßnahmen beliefen sich in den ersten neun Monaten 2008 auf insgesamt 226 Mio €. Davon wurden 94 Mio € durch die Auflösung von Rückstellungen aus einem früheren Programm abgedeckt. 117 Mio € entfielen auf den Restrukturierungsaufwand und 15 Mio € auf den anderen Verwaltungsaufwand. Der Restrukturierungsaufwand liegt damit um 87 Mio € unter den im zweiten Quartal 2008 berücksichtigten Aufwendungen von 204 Mio €, da nach Abschluss der Detailplanungen geringere Ausgaben für die Umsetzung der Personal- und Sachkosteneinsparungen erwartet werden.
Kundengeschäft weiter ausgebaut
Das Kundengeschäft wurde in den ersten neun Monaten dieses Jahres weiter ausgebaut. Die operativen Erträge lagen trotz des schwierigen Marktumfeldes über Vorjahr. So nahm der Zinsüberschuss im Segment Geschäftskunden & Sparkassen trotz gestiegener Refinanzierungsaufwendungen von 467 Mio € auf 553 Mio € zu. Der Anstieg ist im Wesentlichen auf ein verbessertes Immobiliengeschäft sowie die positive Entwicklung im Zahlungsverkehr zurückzuführen. Beim Provisionsüberschuss erzielte die Bank in diesem Segment trotz der konjunkturellen Abschwächung mit 287 Mio € ein Ergebnis auf Vorjahreshöhe. Gegenläufig wirkten sich die im zweiten Quartal durchgeführte Risikoinventur sowie die Bonitätsverschlechterung einzelner Kreditnehmer aus. Der Rückgang beim Vorsteuerergebnis auf -7 Mio € ist ausschließlich auf die erhöhte Kreditrisikovorsorge zurückzuführen.
Das Ergebnis im Segment Capital Markets sank auf -555 Mio € (i. V. -327 Mio €) und war vor allem infolge der Lehman-Insolvenz durch weitere deutliche Spreadausweitungen bei staatsgarantierten Verbriefungen, Staatsanleihen sowie Handelspositionen mit isländischen Kreditinstituten belastet. Darüber hinaus führten die schwachen Aktienmärkte sowie insbesondere die anhaltenden Unsicherheiten an den Finanzmärkten zu einem deutlich geringeren Wertpapiergeschäft.
Im Segment Asset Liability Management stieg das Vorsteuerergebnis im Vorjahresvergleich um 142 Mio € auf 200 Mio €. Im Treasury gelang es, in einem äußerst volatilen Marktumfeld die sich ergebenen Chancen zu nutzen und die Erträge deutlich zu steigern. Zudem wurde durch das erfolgreiche Management von Kreditsicherheiten ein positives Ergebnis erzielt. Belastend wirkten demgegenüber gestiegene Kosten für die Liquiditätsbevorratung. Die Liquiditätskennzahl für die WestLB AG belief sich zum 30. September 2008 auf 1,12.
Bilanzsumme strategiekonform reduziert
Die planmäßige Verringerung der Konzernbilanzsumme um 13,5 Mrd € auf 273,1 Mrd € in den ersten neun Monaten dieses Jahres ist ganz wesentlich auf den systematischen Abbau nicht kundenbezogener Aktiva zurückzuführen. Der Rückgang wurde unter anderem durch den stärkeren US-Dollar im dritten Quartal gebremst.
Infolge der Änderung des IAS 39 wurden mit Wirkung zum 1. Juli 2008 bestimmte Handelsaktiva und Finanzanlagen mit Buchwerten von insgesamt 4,6 Mrd € in die Forderungen an Kunden und Forderungen an Kreditinstitute umkategorisiert. Die Forderungen an Kunden stiegen vor allem aufgrund der übernommenen Refinanzierungsnotes im Rahmen der Risikoabschirmung um 24,6 Mrd € auf 105,9 Mrd €. Während die Forderungen an Kreditinstitute sich um 4,9 Mrd € auf 16,2 Mrd € erhöhten, sanken die Handelsaktiva um 27,7 Mrd € auf 65,7 Mrd €. Die Finanzanlagen verringerten sich um 9,3 Mrd € auf 12,6 Mrd €.
Auf der Refinanzierungsseite sanken die Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten um 5,3 Mrd € auf 21,8 Mrd €, die Verbindlichkeiten gegenüber Kunden stiegen demgegenüber um 0,4 Mrd € auf 25,3 Mrd €. Die verbrieften Verbindlichkeiten verminderten sich überwiegend durch Tilgungen sowie durch die Änderungen des Konsolidierungskreises im ersten Quartal 2008 um 8,1 Mrd € auf 34,9 Mrd €. Das Eigenkapital stieg um 12 % auf 5,0 Mrd €. Während sich die Eigenmittelquote von 8,6 % auf 8,8 % erhöhte, sank die Kernkapitalquote geringfügig von 5,6 % Ende 2007 auf 5,4 %. Der Rückgang beruht im Wesentlichen auf der neu definierten Kernkapitalquote, wonach seit dem 1. Januar 2008 das Kernkapital ins Verhältnis zu den gesamten Risikoaktiva (vorher: nur Adressenausfallrisiken) gesetzt wird. Der Anstieg der Risikoaktiva vor allem im dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahres ist zudem auf Ratingverschlechterungen für das Kreditgeschäft und in besonderem Maße für Verbriefungstransaktionen zurückzuführen, insbesondere für die im Rahmen der Risikoabschirmung übernommenen Refinanzierungs-Notes. Die Refinanzierung der gegründeten Zweckgesellschaft wird derzeit unter anderem durch ein externes Kreditrating der Notes restrukturiert. Dies führt zu einer deutlichen Reduzierung der Risikoaktiva. Unter Berücksichtigung dieses Effektes erreicht die Kernkapitalquote zum Ende des dritten Quartals 6,8 %.
Restrukturierung auf gutem Weg
Die WestLB ist bei der Restrukturierung und Neuausrichtung ihres Geschäftsmodells auf einem guten Weg. So konnten bereits wesentliche Maßnahmen zur Redimensionierung und Fokussierung der Bank auf ihre Kerngeschäftsfelder (Kapitalmarktgeschäft, Verbund- und Mittelstandsgeschäft, Immobilienfinanzierung sowie Transaction Banking) umgesetzt beziehungsweise eingeleitet werden. Im Mittelpunkt stehen dabei der Abbau von Risikoaktiva, eine nachhaltige Senkung der Kostenbasis sowie der systematische Ausbau des Kundengeschäfts. Die Aufbauorganisation wurde entsprechend gestrafft und die strategiekonforme Reduzierung der Bilanzsumme erfolgreich eingeleitet. Zudem wurden Ende September die Verhandlungen mit dem Betriebsrat über einen Interessenausgleich und einen Sozialplan abgeschlossen. Danach soll der notwendige Personalabbau möglichst sozialverträglich und ohne betriebsbedingte Kündigungen erfolgen. Von dem Abbauziel von mindestens 1.350 Arbeitsplätzen Ende 2009 dürften bis Ende des Jahres cirka 400 erreicht sein.
Ausblick
Die eingeleitete Restrukturierung und weitere Stärkung des Geschäftsmodells setzt die WestLB in einem anhaltend krisenhaften Marktumfeld konsequent weiter um. Die Nachfrage nach komplexen innovativen Finanzprodukten ist deutlich rückläufig. Neben gesunkenen Volumen setzt auch die Tendenz zu einfachen, standardisierten Produkten – und damit einhergehend niedrigeren Margen – die allgemeine Ertragsentwicklung unter Druck. Verschärfend kommt hinzu, dass infolge der Zuspitzung der Krise im September und Oktober 2008 die Marktpreise von Wertpapierportfolios unabhängig von der Qualität der zugrundeliegenden Aktiva eine nie zuvor gesehene Volatilität erreicht haben. Finanzvorstand Dr. Hans-Jürgen Niehaus sagte: „Aufgrund dieser Verwerfungen und der derzeit noch unklaren Auswirkungen von Umkategorisierungen und weiteren Bilanzierungserleichterungen bleibt die WestLB mit Blick auf das Gesamtjahr 2008 daher vorsichtig. Mit weiteren Belastungen ist zu rechnen.“
Anlagen
Konzern-Gewinn- und Verlustrechnung 1. Januar bis 30. September 2008
Konzernbilanz zum 30. September 2008
Den ausführlichen Zwischenbericht finden Sie auf unserer Internetseite www.westlb.de/investorrelations
Der Geschäftsbericht 2007 ist als pdf auf unserer Homepage unter www.westlb.de abrufbar.
