WestLB erzielt im ersten Quartal Gewinn von 134 Mio €
- Konzernergebnis um 85 Mio € gegenüber Vorjahresquartal verbessert
- Operative Erträge weiter gestiegen, Kosten gesunken
- Bewertungsverluste im Eigenhandel in Höhe von 70 Mio € verarbeitet
Die WestLB AG erzielte in den ersten drei Monaten dieses Jahres ein zufriedenstellendes Ergebnis. Der Konzerngewinn vor Steuern stieg auf 134 Mio € und lag damit um 85 Mio € über dem entsprechenden Vorjahresergebnis.
Das verbesserte Ergebnis ist auf weiter gestiegene operative Erträge (um 68 Mio € auf 518 Mio €) und gesunkene Verwaltungsaufwendungen (um 33 Mio € auf 418 Mio €) zurückzuführen. Während sich Zins- und Provisionsüberschuss zum Teil deutlich erhöhten, war das Handelsergebnis durch Bewertungsverluste im Eigenhandel mit Spread-Positionen in Höhe von 70 Mio € belastet. Zu diesen Verlusten haben die offengelegten Regelverstöße ehemaliger Händler der WestLB beigetragen. Dennoch konnte durch Erfolge in anderen Handelsbereichen wieder ein insgesamt positives Handelsergebnis in Höhe von 76 Mio € erzielt werden.
„Geschäftlich sind wir unverändert auf gutem Weg. Wir haben Ertragskraft und Effizienz weiter gesteigert. Die WestLB hält Kurs, und wir werden die erfolgreich angelaufene Umsetzung unseres Geschäftsmodells mit voller Kraft vorantreiben“, sagte WestLB Vorstandsvorsitzender Dr. Thomas R. Fischer. „Die Ereignisse im Umfeld des Eigenhandels waren ein Rückschlag, den wir zügig aufarbeiten werden.“
Provisionsüberschuss kräftig gestiegen
Operativ hat sich die WestLB gut entwickelt. Der Zinsüberschuss konnte im ersten Quartal trotz anhaltend enger Zinsmargen im Kreditgeschäft und flacher Zinsstrukturkurven auf 256 Mio € (i. V. 242 Mio €) gesteigert werden. Die Kreditrisikovorsorge war aufgrund von Wertberichtigungsauflösungen erneut positiv, lag aber mit 34 Mio € um 16 Mio € unter dem entsprechenden Vorjahreswert. Der Zinsüberschuss nach Kreditrisikovorsorge sank dadurch geringfügig von 292 Mio € auf 290 Mio €.
Besonders erfreulich entwickelte sich der Provisionsüberschuss, der kräftig von 80 Mio € auf 127 Mio € stieg. Höhere Provisionserträge konnten vor allem aus dem Kredit- und Konsortialgeschäft durch den Ausbau der Risikomaklerfunktion sowie aus dem Wertpapiergeschäft erzielt werden. Das Finanzanlageergebnis stieg durch den Verkauf nicht-strategischer Beteiligungen auf 28 Mio € (i. V. 1 Mio €).
Neue Strategie im Handel
Das Handelsergebnis sank aufgrund der bis zum 31. März 2007 entstandenen Bewertungsverluste aus Eigenhandelspositionen von 106 Mio € auf 76 Mio €.
Die Ereignisse im Eigenhandel erhielten eine neue, wesentlich erweiterte Dimension, als Anfang April aus der Bank heraus Handelspositionen und -strategien an die Öffentlichkeit gespielt wurden. Durch diesen Vorgang, den die Staatsanwaltschaft derzeit intensiv untersucht, wurden Marktteilnehmer in die Lage versetzt, in großem Umfang gegen die WestLB zu spekulieren. Um den dadurch verursachten Schaden zu begrenzen, hat der Vorstand eine durchgreifende Neuausrichtung des Wertpapierhandels beschlossen. Danach gibt die WestLB den Eigenhandel in Spread-Positionen mit Stamm- und Vorzugsaktien zugunsten eines stärker kundengetriebenen Wertpapiergeschäfts auf. In diesem Zusammenhang hat sich die WestLB Ende April von wesentlichen Teilen ihres entsprechenden Portfolios getrennt. Die Verluste daraus beliefen sich auf 173 Mio € und werden im 2. Quartal 2007 erfasst. Für die verbliebenen Positionen wurden ebenfalls Maßnahmen zum schrittweisen Positionsabbau und zur Risikoreduzierung eingeleitet. Die WestLB geht davon aus, trotz der Gesamtbelastung aus diesen Positionen ein positives Jahresergebnis vor Steuern erreichen zu können.
Zur vollständigen Aufklärung der Vorkommnisse arbeitet die WestLB eng mit der von ihr eingeschalteten Staatsanwaltschaft und der Finanzaufsichtsbehörde BaFin zusammen. Ergebnisse der andauernden Untersuchungen liegen noch nicht vor.
Kosten weiter gesunken
Der Rückgang beim Verwaltungsaufwand um 33 Mio € auf 418 Mio € ist auf gesunkene Personalaufwendungen (um 25 Mio € auf 229 Mio €) und planmäßig verringerte Sachkosten (um 8 Mio € auf 189 Mio €) zurückzuführen. Die auf Vollzeitstellen umgerechnete Zahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erhöhte sich in den ersten drei Monaten dieses Jahres vor allem in den Kunden- und Marktbereichen um 65 auf nunmehr 5.927.
Kundengeschäft weiter ausgebaut
Zum gestiegenen Konzernergebnis haben alle Marktbereiche beigetragen. Im Segment Geschäftskunden & Sparkassen verbesserte sich das Ergebnis um 66 Mio € auf 112 Mio €. Das gewachsene Kundengeschäft vor allem bei Projektfinanzierungen und im Private Banking spiegelt sich im Anstieg des Provisionsüberschusses wider, der um 19 Mio € auf 105 Mio € zunahm. Im Segment Capital Markets stieg das Ergebnis um 97 Mio € auf 89 Mio €. Verluste aus Eigenhandelspositionen in Stamm- und Vorzugsaktien konnten durch Erfolge in anderen Handelsbereichen, wie im Kundengeschäft mit strukturierten Kapitalmarktprodukten, sowie aus dem Verkauf von nicht-strategischen Beteiligungen und Kostenreduzierungen mehr als kompensiert werden. Das Segmentergebnis im Asset Liability Management belief sich mit einem Plus von 29 Mio € auf 27 Mio €.
Die Bilanzsumme wuchs im ersten Quartal 2007 um 3,0 Mrd € auf 288,3 Mrd €. Der Forderungsbestand stieg um 1,1 Mrd € auf 84,7 Mrd €, die Handelsaktiva nahmen um 2,2 Mrd € auf 148,2 Mrd € zu. Auf der Refinanzierungsseite sanken die Verbindlichkeiten gegenüber Kunden und Kreditinstituten um zusammen 26,2 Mrd € auf 75,2 Mrd €. Der Rückgang resultiert im Wesentlichen aus fälligen Geldmarktgeschäften. Das entsprechende Neugeschäft ist in den freiwillig zum Fair Value bewerteten Passivbeständen ausgewiesen. Dieser Posten stieg um 21,8 Mrd € auf 63,5 Mrd €. Die verbrieften Verbindlichkeiten erhöhten sich um 0,8 Mrd auf 42,4 Mrd €, unter anderem durch die Emission eines öffentlichen Pfandbriefs in zwei Tranchen über insgesamt 1 Mrd €.
Zur Erläuterung der Vorjahreswerte:
Die Zwischenberichte 2007 werden erstmals nach IFRS aufgestellt. Zum Vergleich werden den Quartalswerten der Gewinn- und Verlustrechnung grundsätzlich anteilige Vorjahreswerte gegenübergestellt, bereinigt um wesentliche Vorgänge, die periodengerecht ausgewiesen werden.
Anlagen:
Konzern-Gewinn- und Verlustrechnung 1. Quartal 2007
Konzernbilanz zum 31. März 2007
